Turnverein 1880 Brötzingen e.V.

Philosophie

 

 

Wir alle sind TV BRÖTZINGEN. Zusammen bestimmen und gestalten wir die Zukunft unseres Vereins. Die Mitglieder, Abteilungsleiter, Trainer und Vorstände sind gleichberechtigt.
 

Verein(t) im Sport


Der Teamgedanke in den Mannschaften und Abteilungen steht an erster Stelle. Sportlicher Erfolg wird vor allem in den Leistungsbereichen als Ziel gesetzt und von allen Mitgliedern unterstützt.



Verein(t) für die Jugend
 

 

In der Jugend liegt unsere Zukunft. Wir bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen. Sport fördert die Sozialkompetenz und die charakterliche Entwicklung. Dem Nachwuchs Vorbild sein, ihn zu fördern und zu fordern, aber nicht zu überfordern.
 

Verein(t) mit Verantwortung
 

 

Jedes Mitglied hat das Recht und die Pflicht sich aktiv in die Entwicklung des Vereins einzubringen. Die Vereinsführung übernimmt die Aufgabe, die Interessen aller zu koordinieren und in der Öffentlichkeit zu vertreten. Die Abteilungsleiter fungieren als Bindeglied zwischen Vereinsführung und Abteilungen.
 

Verein(t) im Handeln



Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Respekt und Höflichkeit sind selbstverständlich. Probleme werden offen angesprochen.

 

 

TV Brötzingen, das heißt Verein(t) mit Liebe zum Sport & Spaß an der Bewegung

TV Brötzigen - über 130 Jahre Erfahrungn

Wir sind ein vielseitig engagierter Sportverein mit einem abwechslungsreichen Trainingsangebot für Jung und Alt. Seit über 120 Jahren verbindet uns Liebe zum Sport und Spaß an der Bewegung. Mit über 1400 Mitgliedern sind wir einer der größten Vereine in Pforzheim und Umgebung.
Nun möchten wir auch Sie einladen, in unserem Verein aktiv zu werden.

Gruppenbild aller Gründungsmitglieder des TV Brötzingen, die 1930 noch lebten.

 

Reichlich 130 Jahre ist er mittlerweile alt, der Turnverein Brötzingen. Er entstand zu einer Zeit, als sich in fast jeder größeren deutschen Gemeinde Turner zusammenfanden, um ihrer Liebe zum Sport künftig in Gemeinschaft mit anderen zu frönen, und da man auf mittlere Sicht natürlich auch Gelände und manches andere erwerben musste, war die Rechtsform des eingetragenen Vereins früher oder später unumgänglich; seit 1897 besitzt auch der TV Brötzingen die Körper- schaftsrechte, seit der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 firmiert er als "eingetragener Verein".

Am 1. August 1880 war es soweit: An die 60 Turninteressierte kamen in einer Brötzinger Gastwirtschaft zusammen, um den neuen Verein aus der Taufe zu heben. Als Hauptinitiator der Vereinsgründung darf man Wilhelm Bellosa vermuten, den die Anwesenden mit großer Mehrheit zum Vorsitzenden wählten. Die übrigen Mitglieder des Vorstandes und des Turnrates gehörten anders als der Vorsitzende zum "Brötzinger Uradel": Staib, Eberle, Wurster... Ein Eberle lehnte übrigens die Wahl in den Vorstand ab, obwohl er von allen Gewählten die höchste Stimmenzahl erhalten hatte. Die Vereinsgründer gingen auf Nummer Sicher und wählten an seiner Stelle den Wirt des "Grünen Baums", in dem die Versammlung stattfand - wie hätte er nein sagen können?

 

Die ersten 20 Jahre des neuen Vereins bildeten die Gründungsphase, in der sich Schwierigkeiten, die aus heutiger Sicht allenfalls als "Problemchen" erscheinen, als gravierende Hindernisse erwiesen: Noch zwei Jahre nach der Gründung des Vereins turnte man gänzlich ohne Geräte, erst 1883 gab es wenigstens ein vereinseigenes Reck; im Jahr darauf bereicherte ein Turnpferd den Gerätepark; stolze 130 Mark musste der Verein dafür aufwenden - das entsprach etwa zwei Drittel der Gesamteinnahmen des Vereins im laufenden Jahr. Für den Rest kaufte man sich noch eine erste Turnmatte. Selbstverständlich fanden die Übungen überwiegend im Freien statt; ab 1887 gab es auch Turnstunden im Gasthaus zum "Grünen Baum", deren sportlicher Wert aber wohl hinter dem geselligen zurücktrat.

Das späte 19. Jahrhundert war in ganz Deutschland die große Zeit der Vereinsgründungen, und so entstand auch im damaligen Dorf Brötzingen eine Vielzahl von Zusammenschlüssen, die sich dem Singen, dem Sport, dem Schießen oder der Bildung widmeten. Von diesen Vereinen war der 1861 gegründete Männerchor der älteste, der Turnverein der zweitälteste; beide, der Turnverein wie der Männerchor, besaßen zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine herausragende Position in der Gemeinde, denn noch gab es weder für die Turner noch für die Sänger ernsthafte Konkurrenz. Noch...

Den Weg hin zu einer 'Brötzinger Institution' hatte der Verein bereits 1886 eingeschlagen, als der Turnrat beschloss, auf den Bau einer vereinseigenen Turnhalle hinzuarbeiten und zu diesem Zwecke einen "Turnhallen-Baufonds" zu bilden. Erste sportliche Erfolge bei verschiedenen Turnfesten der näheren und weiteren Umgebung und werbewirksame Auftritte bei örtlichen Veranstaltungen taten ein Übriges, um die "Turner" zu einem festen Bestandteil des Dorflebens zu machen. Eine repräsentative Turnfahne war nun ein absolutes Muss, 360 Mark zahlte der Verein 1892 an die Biberacher Fahnenfabrik für das reich verzierte Stück, das sich noch heute im Vereinsbesitz befindet. Ein durchschnittlicher deutscher Arbeitnehmer musste damals ungefähr sieben Monate arbeiten, um diesen Betrag als Verdienst nach Hause tragen zu können.


Turnfahne des TV Brötzingen aus dem Jahr 1892

Turnfahne des TV Brötzingen aus dem Jahr 1892

 

Einen Volltreffer landeten die Vereinsverantwortlichen im Jahr darauf, als sie sich entschlossen, für mehrere Tausend Mark ein Gartengrundstück zu erwerben, das zum Standort einer Turnhalle werden sollte. Dieses Grundstück lag nicht etwa irgendwo außerhalb 'auf der grünen Wiese', sondern unmittelbar hinter dem Brötzinger Rathaus, also mitten im Ort. Zehn Jahre sollte es noch dauern, bis das ambitionierte Projekt vollendet werden konnte: 1903 lagen die Pläne für die Turnhalle vor, 37 500 Mark sollte sie nach dem Kostenvoranschlag des Architekten kosten - für die damalige Zeit eine enorme Summe. Die Vereinsmitglieder befürworteten den Bau einstimmig, und im Oktober des folgenden Jahres konnte der geräumige Bau bereits eingeweiht werden.

Dass sich die Verhältnisse gegenüber der Gründerzeit zu wandeln begannen, merkte man schon 1906: Waren 20 Jahre zuvor für unentschuldigtes Fehlen bei Vereinsveranstaltungen noch empfindliche Geldstrafen angedroht, versprach man nun jedem Turner, der in Turnkleidung bei einer Beerdigung erschien, drei Glas Bier auf Vereinskosten. Für den Turnverein war die Zeit der Konkurrenzlosigkeit vorbei. 1906/07 entstand zunächst der Ballspielclub Germania Brötzingen (heute FC Germania Brötzingen), die aufstrebende neue Sportart 'Fußball' entfaltete fortan auch in Brötzingen ihre Anziehungs- kraft. Am 1. Januar 1905 war Brötzingen außerdem zum Stadtteil von Pforzheim geworden, und das einstige Dorf wandelte sich rasch zum städtischen Arbeiterviertel, in dem die Arbeiterbewegung nicht nur politisch den Ton angab: Neben der traditionellen Turnbewegung, die der Turnverein repräsentierte, etablierte sich die Arbeitersportbewegung, und im 'roten Brötzingen' schlug sich das gleich in drei Vereinsgründungen nieder: In direkte Konkurrenz zum Turnverein trat der "Arbeiter-Turnerbund Brötzingen", daneben gab es aber auch noch den Radfahrerverein "Freie Radler" Brötzingen und einen Arbeiter-Gesangverein, und man blieb grundsätzlich 'unter sich'. So war das eben damals: Arbeiter-Sportvereine trugen gegen 'bürgerliche Vereine' ebenso wenig Wettkämpfe aus wie Turnvereine mit Sport- vereinen, die nicht zur Turnbewegung zählten. Wenn die Brötzinger 'Turner' Fußball spielten, dann gegen andere Turnvereine, wie etwa 1910, als man dem Turnverein Pforzheim mit 5:0 eine deutliche Abfuhr verpasste.


Frauenturnen gab es beim TV Brötzingen schon vor dem Ersten Weltkrieg. Hier eine Jugendturnerinnenriege aus den 20er Jahren

Frauenturnen gab es beim TV Brötzingen schon vor dem Ersten Weltkrieg. Hier eine Jugendturnerinnenriege aus den 20er Jahren

 

Das bis dahin rasante Wachstum des Turnvereins, der 1906 immerhin schon 621 Mitglieder zählte, wurde durch die neue sportliche Konkurrenz, zu der auch die Brötzinger Kraftsportler und die 'bürgerlichen' Radfahrer zählten, merklich gedämpft. 'Fortschritt' gab es aber dennoch: 1911 fungierte die Turnhalle als eines der ersten Pforzheimer Lichtspieltheater, ein Wanderkino führte dort zweimal in der Woche Filme vor.

Mehr als 500 Vereinsmitglieder mussten in den Jahren des Ersten Weltkrieges Kriegsdienst leisten, 86 von Ihnen kehrten von den Schlachtfeldern im Osten und Westen nicht zurück. Dieser Aderlass bewog die Vorstände des FC Germania Brötzingen, des Kraftsportvereins Achilles, des Radfahrclubs "Sturm" und des Turnvereins, sich 1919 zu einem einzigen Verein zusammenzuschließen. Obwohl dieser Zusammenschluss nur vier Jahre hielt und der FC Germania sogar schon 1920 wieder ausschied, eröffnete er ein Jahrzehnt bemerkenswerter sportlicher Erfolge: 1922 wurden die Radfahrer süddeutscher Meister, die 1921 gegründete Boxabteilung stellte 1923 mit Karl Rieth einen deutschen Meister und holte im gleichen Jahr außerdem eine Vizemeisterschaft und einen dritten Platz. Die "Turn- und Sportvereinigung Pforzheim-Brötzingen 1880", wie der Verein in diesen fünf Jahren hieß, war ein erfolgreicher Mehrsparten-Großverein mit weit über 800 Mitgliedern.


Die Brötzinger Faustball-Meistermannschaft von 1926

Die Brötzinger Faustball-Meistermannschaft von 1926

 

Zwar nicht im Turnen, dafür aber im Handball und im Faustball kam dann 1926 und 1927 auch der Turnverein selbst zu sportlichen Ehren: Das Handballspiel, das es gerade erst zehn Jahre gab, fand beim TV Brötzingen nicht nur ein begeistertes, sondern auch ein sehr leistungsstarkes Echo, Aufstiege und Meisterschaften jagten einander. Noch erfolgreicher waren die Brötzinger zu dieser Zeit nur im damals noch wichtigsten der sogenannten "Turnspiele", im Faustball: Schon 1926 gewann das Brötzinger Team die Badische Meisterschaft, im Jahr darauf holten sich Hugo Augenstein, Albert Hohnloser, Albert Klittich, Alfred Kühn und Alfred Kugel sogar den Süddeutschen Titel, bei den deutschen Meisterschaften gab es am Ende einen dritten Platz - die norddeutsche Konkurrenz war einfach zu stark. Es folgte eine ganze Serie von Badischen und Süddeutschen Meistertiteln, die ausgerechnet im Jahr 1937 ihr Ende fand, als der Verein selbst die Süddeutschen Meisterschaften ausrichtete: Die erfolgsverwöhnten Brötzinger mussten in diesem Jahr dem ewigen Zweiten Sandhofen bei den Badischen Meisterschaften den Vortritt lassen und konnten vor eigenem Publikum nur zuschauen.


Die erfolgreichen Handballer des Jahres 1927. Alle 1926 erfolgreichen Faustballer gehörten auch der Handballmannschaft an

Die erfolgreichen Handballer des Jahres 1927. Alle 1926 erfolgreichen Faustballer gehörten auch der Handballmannschaft an

 

Bereits vier Jahre zuvor hatte sich im Gefolge der nationalsozialistischen Machtergreifung auch die Turn- und Sportszenerie durchgreifend gewandelt. Die Arbeitersportvereine wurden zwangsaufgelöst, die bürgerlichen Turn- und Sportvereine "gleichgeschaltet". Der Vereinsvorsitzende hieß nun "Vereinsführer", und das war mehr als eine bloße Äußerlichkeit; der deutsche Sport sollte eine tragende Säule des NS-Regimes sein, und er erfüllte diese Aufgabe auch voll und ganz, zumal er sich einer bisher nicht gekannten Förderung erfreute. Die olympischen Spiele von 1936 und ihre propagandistische Ausschlachtung machten das deutlich. Dass das Regime nicht unbedingt vorrangig an Sport und Spiel als weitgehend zweckfreie Freizeitgestaltung dachte, verdeutlichte die auch beim TV Brötzingen realisierte Idee, "Wehrturnriegen" zu schaffen; für dieses neue "Sportangebot" beschaffte der Verein eigens ein Gewehr nebst Munition.

 

Freiluft-Turnen mit Musik auf dem alten Turnplatz (um 1930)

 

Turnen im Zeichnen des Hakenkreuzes.

Die Unterschrift auf der Urkunde stammt von Herbert Kraft, dem "Sportbereichsführer und Beauftragter des Reichs- Sportführers für den Gau Baden im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen", der Ende der 20er Jahre auch NSDAP Kreisleiter von Pforzheim war.

Der Zweite Weltkrieg brachte den Sportbetrieb zunächst weitgehend zum Erliegen. Die Vereinsturnhalle war von der Wehrmacht belegt, die jüngeren Mitglieder waren zur Wehrmacht eingezogen. Als die Phase der Blitzkriege zu Ende war, kehrten viele - vorübergehend - wieder zurück, und auch im Verein gab es wieder ein wenig scheinbare "Normalität", der allerdings der "totale Krieg" schon bald ein Ende machte.

Anders als die Pforzheimer Innenstadt blieb der Stadtteil Brötzingen von den katastrophalen Folgen des verheerenden Luftangriffs am 23. Februar 1945 verschont; annähernd 20 000 Menschen fanden bei diesem rund 20minütigen Angriff auf Pforzheim den Tod, das Pforzheimer Stadtzentrum existierte anschließend nicht mehr.


Noch 1948 gab es einen regelrechten Grenzübergang zwischen Pforzheim (US-amerikanische Besatzungszone) und Birkenfeld (französische Besatzungszone)

 

Der Neuanfang in der völlig zerstörten Stadt war auf allen Gebieten schwierig, und der Sport stand verständlicherweise in der Prioritätenliste ziemlich weit hinten. Rund die Hälfte der Mitglieder des TV Brötzingen war im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges zur Wehrmacht eingezogen worden, 70 von ihnen waren nicht zurückgekehrt. Die Turnhalle diente in den ersten Nachkriegsjahren oft anderen als sportlichen Zwecken, es fanden Konzerte statt, und am 12. Dezember 1945 spielte das Pforzheimer Stadttheater in der Vereinsturnhalle Friedrich Hebbels "Maria Magdalena" - die erste Pforzheimer Theateraufführung nach Kriegsende. Selbst einer Wanderung ins nahe Grösseltal standen in dieser Zeit unüberwindliche Hindernisse entgegen: Das Grösseltal lag in der französischen Besatzungszone. Der Wille, den Verein neu zu beleben, war jedoch zweifelsfrei vorhanden: Schon am 21. April 1946 veranstaltete der Turnverein Brötzingen auf dem Platz des 1. FC Pforzheim ein großes Feldhandballturnier mit überregionaler Beteiligung; die Gastgeber kamen bis ins Endspiel, das jedoch der VfL Neckarau für sich entschied.


 

Plakat zum Handballtunier am 21.April 1946

Schritt für Schritt normalisierten sich die Verhältnisse in den folgenden Jahren wieder. 1948 stand die Turnhalle wieder zur Verfügung, und es gab auch wieder sportliche Erfolge: 1949 wurden die Faustballer Fünfte bei den Deutschen Meisterschaften, 1954 errangen die Jugendhandballer in der Halle den Titel eines Badischen Meisters, im Feldhandball gab es immerhin einen Vizemeistertitel; zwei Jahre später gab es erneut eine badische Vizemeisterschaft zu feiern, dieses Mal für die erste Herrenmannschaft, die diesen Erfolg im Jahr darauf wiederholen konnte und in der Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft erst vom späteren Deutschen Meister Frisch Auf Göppingen gestoppt wurde. Auch in der Leichtathletik sorgten Brötzinger für Furore: Die 4x100 Meter-Staffel der Damen lief bei den Badischen Meisterschaften 1961 einen Landesrekord, im Endlauf verhinderte dann jedoch ein Wechselfehler den Titelgewinn. Im Kunstturnen sorgten in den 70er Jahren Bernd Rössle sowie Anette und Sabine Toifl für Erfolge auf, deutscher und internationaler Ebene - bis hin zu Weltmeisterschaften.


 

Bernd Rössle beim Landesturnfest 1974 in Offenburg

 

Anette und Sabine Toifl

 

In den sechziger Jahren begann sich dann das Ende des traditionsreichen Vereinsstandortes im Brötzinger Zentrum abzuzeichnen. Die Idee einer Sanierung des Stadtteils wurde diskutiert und nahm immer konkretere Formen an. 1971 musste sich der Verein dann an den Gedanken gewöhnen, seine traditionsreiche Turnhalle aufzugeben und ein neues Vereinsgelände zu beziehen. Die Stadt Pforzheim bot auf dem Wege des Tauschs ein Gelände im Gewann 'Börth' am südlichen Ende des Stadtteils Arlinger, wo eine neue Halle nebst Gaststätte und Nebenräumen entstehen sollte; auch ein Sportgelände im Freien war vorgesehen.


Entstehung der neuen Halle

 

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins stimmte dieser Lösung am 18. November 1973 zu, knapp drei Jahre später konnte die neue Anlage feierlich eingeweiht werden. Vor dem Abbruch der alten Turnhalle wurden zwei Inschriftsteine geborgen, sie erinnern auf dem neuen Sportgelände heute noch an die alte Heimstatt des Vereins. Mit dem Abbruch der alten Turnhalle änderte sich trotz des Neubaus an anderer Stelle einiges am Freizeitangebot des Stadtteils: In der alten Turnhalle hatte es regelmäßig Tanzveranstaltungen mit Livemusik gegeben, bei denen ein ‚volles Haus' obligatorisch war; doch nicht nur der gute, alte, deutsche Schlager war in der Turnhalle zu Ehren gekommen, sondern auch neuartige Töne: Die Rockband UFO etwa gastierte in den frühen 70er Jahren lautstark in der Brötzinger Turnhalle und mag vor allem aus Sicht der älteren, traditionsbewussten Brötzinger ihren Teil zum Abbruch der alten Halle beigetragen haben.

Im Jahre 1980 feierte der Verein sein 100. Jubiläum und hatte damit Gelegenheit, Rückschau zu halten, und man durfte zufrieden sein. Der Verein besaß und besitzt bis heute eine moderne Sportanlage mit eigener Sporthalle und benachbartem Freigelände, der Verein hatte 929 Mitglieder, davon 396 Jugendliche. Sportliche Highlights gab es freilich nicht mehr in so großer Zahl wie früher; Meisterschaften auf Verbands- oder gar deutscher Ebene gehörten zu dieser Zeit ebenfalls der Vergangenheit an, denn längst waren Mannschaften, die sich ausnahmslos aus eigenem Nachwuchs rekrutierten, in höheren Klassen nicht mehr konkurrenzfähig, der lupenreine Amateur lieferte selbst in unteren den Klassen der meisten großen Sportarten nur noch Rückzugsgefechte. Immerhin errangen die Brötzinger Handballer im Jubiläumsjahr die Pforzheimer Kreismeisterschaft und konnten einmal mehr in die Landesliga aufsteigen, wo sie allerdings nur ein kurzes Gastspiel gaben.

Der Blick zurück auf die erfolgreiche Vergangenheit verstellte freilich nicht den Blick darauf, dass die deutschen Turn- und Sportvereine mehr und mehr unter Anpassungsdruck gerieten. Das Sportangebot nahm rasant zu, neue Vereine schossen aus dem Boden und neue "Trendsportarten" traten zunehmend in Konkurrenz zu den traditionellen Sportangeboten der Turn- und Sportvereine. Der Tennisboom der achtziger Jahre etwa, aber auch manche andere Neuerung machten die Gewinnung von Nachwuchs selbst für Fußballclubs zum Problem, kommerzielle Sportangebote beispielsweise in Fitnessstudios schienen für viele ältere besser in die Zeit zu passen: Die Aerobic im Fitnessstudio war zwar auch nicht anders als im Verein, die in den Studios üblichen modischen Outfits, die Wellnessangebote und nicht zuletzt die Unverbindlichkeit der Studios, in denen der Sportler mit Ausnahme der Beitragszahlung eben keine wie auch immer geartete Verpflichtung übernimmt, erschienen vielen als eine attraktive Alternative zum Sportverein.

Die meisten Turn- und Sportvereine reagierten auf diesen Wandel rechtzeitig, und auch der TV Brötzingen machte sich erfolgreich daran, den Weg hin zum "Dienstleister" zu beschreiten: Angebote aus dem Bereich des Gesundheitssports, Zusammenarbeit mit Krankenversicherern und eine Verbreiterung des Sportangebots steigerten die Attraktivität des Vereins. Volleyball, Badminton und Boule kamen seitdem als neue Sportarten hinzu, und Volleyball wurde mittlerweile sogar zum Aushängeschild des Vereins. Dass dieser Weg richtig war, zeigte sich an der Entwicklung der Mitgliederzahl: Sie stieg rasch auf über 1 000 an und liegt heute bei rund 1 400.

Um die Mitte der 80er Jahre machte jedoch zunächst der Handballsport Furore, denn der TV Brötzingen spielte über Jahre mit seinen A- und B-Jugendmannschaften in den Verbandsoberligen und mischte hier auch vorne mit. Leider gelang es nicht, diese Leistungsexplosion in der aktiven Mannschaft fortzusetzen, die größten Talente wanderten ab oder beendeten nach dem Ende der Schulzeit ihre aktive Laufbahn.
Die bedeutendste Karriere machte indessen eine der neuen Sportarten im Verein, der Volleyball: Geduldige Aufbauarbeit zeigte hier Früchte, die Damenmannschaften erklommen auf der Erfolgsleiter eine Sprosse nach der anderen und spielen mittlerweile in der höchsten Verbandsklasse, der Oberliga; der 2004/05 erreichte dritte Platz und die überzeugenden Spiele der letzten Runde lassen Gedankenspielen Raum, dass die Oberliga noch lange nicht das Ende aller Ambitionen sein Muss - zumal, wenn man an den starken Unterbau denkt: Die zweite Mannschaft spielt in der Landesliga, die dritte Mannschaft in der Bezirksliga.

Darüber sei aber nicht vergessen, dass der TV Brötzingen auch in seiner angestammten Domäne, dem Handball, Erfolge feiern konnte. 1998 feierte die von Spielertrainer Andreas Wallisch betreute Mannschaft den Aufstieg in die Landesliga, und dieses Mal war das Team nicht nur stark genug, um die Klasse zu halten, sondern spielte auch in der Spitze mit. Nach einigen Spielerabgängen musste die Mannschaft dann aber 2001 zurück in die Kreisliga.

Heute, 130 Jahre nach seiner Gründung, gehören dem Turnverein Brötzingen mehr als 1400 Mitglieder an, die in einem großen Mehrspartenverein ihrem Lieblingssport nachgehen. Den Weg zum Dienstleister in der Freizeitgesellschaft hat der Verein längst mit Erfolg zurückgelegt - ohne die familiäre Atmosphäre aufzugeben, die den TV Brötzingen, von allem sportlichen Ehrgeiz unbeschadet, von Beginn an auszeichnet.

Kontakt

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75179 Pforzheim

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Montag, Mittwoch und Donnerstag 
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In den Schulferien ist die Geschäftsstelle geschlossen. 

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Fax: 07231/455837
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